Grenzen sind leiser als Erwartungen. Viele Frauen merken erst, dass es zu viel ist, wenn sie längst darüber sind.
Warum sich Grenzen oft erst melden, wenn sie überschritten sind
«Ich kann das noch.» Diesen Satz höre ich oft. Und er stimmt meistens. Viele Frauen können weit über ihr gesundes Limit hinaus funktionieren. Gerade das macht es schwierig.
Grenzen zeigen sich selten als klares «Stopp». Sie zeigen sich in feinen Verschiebungen: weniger Geduld, ein Tag, der sich enger anfühlt, längeres Brauchen zum Runterkommen. Das sind keine Schwächen. Das sind Signale.
Viele Frauen haben gelernt, Verantwortung automatisch zu übernehmen, Erwartungen nicht zu hinterfragen und die eigenen Signale leise zu stellen. Wenn Anpassung zur Gewohnheit wird, werden innere Hinweise schwächer. Und der Körper passt sich an — bis er nicht mehr kann.
Das Ergebnis: Die Grenze wird nicht bewusst gesetzt, sondern erst sichtbar, wenn sie längst überschritten wurde.
Grenzen früher zu spüren ist kein Tipp, den ich in drei Sätze packen kann. Es ist ein Prozess — und genau dieser Prozess ist Teil meines Kurses.
— Eine Frage für dich
An welcher Stelle habe ich in den letzten Tagen weitergemacht, obwohl etwas in mir eigentlich stopp gesagt hat?
Elin Graf, M.Sc., ist eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin und Fachpsychologin für Psychotherapie FSP. In eigener Praxis in Horw bei Luzern begleitet sie Frauen mit Erschöpfung und anhaltender Belastung. Studio Klarzeit ist ihr Projekt für Frauen, die verstehen möchten, was sie erschöpft — statt nur Ratschläge zu bekommen.